Wahres Gebet – wahre Kraft

  • Juni 19th, 2019
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Charles H. Spurgeon ist bekannt für seine sehr anschauliche Art und Weise zu predigen. Als er über das Thema „Wahres Gebet – wahre Kraft“ predigte, sagte er unter anderem folgendes:

„Soll das Gebet von innerem Wert sein, so muss es sich immer auf einen bestimmten Gegenstand richten, für den wir vor Gott eintreten. Meine Brüder, wie oft springen wir in unseren Gebeten von diesem auf jenes über und von jenem wieder auf ein anderes und wir empfangen nichts, weil wir in Wirklichkeit nichts Bestimmtes verlangen. Wir schwatzen über verschiedene Gegenstände, aber die Seele richtet ihre vereinten Kräfte nicht auf einen bestimmten Gegenstand. Fallt ihr nicht bisweilen auf eure Knie, ohne vorher daran zu denken, was ihr denn eigentlich von Gott zu erbitten beabsichtigt? Es ist für euch eine Sache der Gewohnheit, ohne dass euer Herz dabei ergriffen wäre.

Ihr gleicht dem Manne, der in einen Laden geht und nicht weiß, was er sich kaufen will. Er kann vielleicht einen glücklichen Handel machen, wenn er einmal dort ist, aber ganz gewiss ist das kein weiser Plan und verdient darum keine Nachahmung.

So kann wohl auch der Christ in seinem Gebet später zu einem wirklichen Wunsch gelangen und seinen Zweck erreichen, aber einen weit besseren Fortgang hätte er, wenn er mit ernster Überlegung und Selbstprüfung seine Seele vorbereitet hätte; er käme dann mit einer wirklichen Bitte vor seinen Gott, die sich schon vorher ihren Gegenstand erwählt hätte.

Denke an ein Schiff, das auf eine Entdeckungsreise ausgeht und in See sticht, ohne dass der Kapitän auch nur die geringste Idee von dem hat, was er entdecken will. Würde man die Erwartung haben dürfen, dass er bereichert mit Entdeckungen der Wissenschaft oder beladen mit Goldschätzen heimkehren würde?

Bei jedem anderen Geschäft hast du einen Plan. Du gehst niemals an deine Arbeit, ohne zu wissen, was du dir vorgenommen hast, zu arbeiten. Wie kommt es denn, dass du zu Gott gehst, ohne zu wissen, was du dir vorgenommen hast, von Ihm zu erhalten?

Ihr werdet mehr Segen von eurem Gebet haben, wenn ihr es auf gewisse Gegenstände richtet und ich denke auch auf gewisse Personen, die ihr erwähnt.

Vermeide allen blendenden Schein der Bescheidenheit vor deinem Gott. Komme gleich mit einem Mal mit der Sache selbst, sprich aufrichtig mit Ihm. Er braucht keine schöne Umschreibung, wie sie Menschen beständig zu machen pflegen, wenn sie nicht frank und frei heraussagen wollen, was sie meinen. Sei es, dass du eine zeitliche oder eine geistliche Gnadengabe bedarfst, sag es nur.

Genauso notwendig ist es, dass sich mit dem bestimmten Gegenstand des Gebetes ein ernstliches Verlangen nach Erhörung verbinde.

Wenn wir den Herrn mit kaltem, nicht mit inbrünstigem Herzen bitten, so hemmen wir seine segenspendende Hand und hindern Ihn, gerade den Segen zu gewähren, den wir zu suchen vorgeben. Wenn du deinen Gegenstand ins Auge gefasst hast, so muss deine Seele in solchem Grad erfüllt sein von der Wichtigkeit dieses Gegenstandes, von deinem dringenden Bedürfnis danach, von der Gefahr, in die du gerätst, wenn dir der Gegenstand nicht gewährt wird, dass du gezwungen bist, so darum zu bitten, wie ein Mensch um sein Leben bittet.

Kein Wunder, dass uns Gott in der letzten Zeit nicht so reichlich gesegnet hat. Das kommt daher, dass wir ihn nicht so heiß und inbrünstig angerufen haben, wie wir sollten. O, über diese kaltherzigen Gebete, die auf den Lippen ersterben, – über diese frostigen Bitten! – Nicht einmal der Menschen Herzen rühren sie; wie sollten sie Gottes Herz rühren! Sie kommen nicht vom Grunde unsrer Seele, sie quellen nicht hervor aus jener tiefen geheimnisvollen Quelle unsres innersten Herzens, und darum können sie auch nicht aufsteigen.

Von John Bradford wird uns erzählt, dass er eine besondere Geschicklichkeit im Beten besaß. Als er nach seinem Geheimnis gefragt wurde, antwortete er: „Wenn ich weiß, was ich für ein Bedürfnis habe, halte ich immer so lange an mit diesem Gebet, bis ich fühle, dass es vor Gott gedrungen ist und dass ich mit meinem Gott Gemeinschaft habe durch mein Gebet. Niemals gehe ich zu einer zweiten Bitte über, wenn ich nicht zuvor die erste zum Abschluss gebracht habe.“

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